Vortrag von Joachim Geiberger bei der Hemsbacher SPD
(bü). Zahlreiche Interessierte konnte SPD-Ortsvereinsvorsitzende Beate Adler im großen Sitzungssaal des Alten Rathauses begrüßen, die sich einen Überblick über den ‚Rentendschungel’ verschaffen wollten. „Wir freuen uns, dass wir einen so hochkarätigen Referenten gewinnen konnten, der uns nicht irgendeine Versicherung ‚aufschwätzen’ will, sondern einen sachlichen und neutralen Überblick über die Möglichkeiten der Altersvorsorge geben wird“, machte Adler in ihren Einführungsworten deutlich. Joachim Geiberger, der seine Kindheit und Jugend in Hemsbach verbrachte, ist Inhaber eines unabhängigen Analysehauses, das für Fachwelt und Medien Analysen über die gesamte private Versicherungslandschaft erstellt.
„Rente ist ein sehr emotionales Thema, es sind viele Stammtischparolen im Umlauf, die nicht immer zutreffen“, begann Geiberger seinen spannenden und lebendigen Vortrag. Rente mit 67, ‚Risiko Langlebigkeit’, Riesterrente, Rentenbesteuerung usw. seien Begriffe, die für Verunsicherung in der Bevölkerung sorgten. Optisch unterstützt durch Grafiken gab er zunächst einen Rückblick auf die Entstehung der gesetzlichen Rentenversicherung, die 1889 in Deutschland eingeführt wurde. Das ursprüngliche Kapitaldeckungsverfahren wurde 1957 in das bis heute bestehende Umlageverfahren umgewandelt. Grund dafür war die demographische Veränderung der Alterspyramide, u.a. durch die beiden Weltkriege und einen Rückgang der Geburtenrate, auch durch bessere Ausbildung der Frauen verursacht. „Durch Veränderungen wie die ständig steigende Lebenserwartung und gleichzeitig immer weniger Beitragszahler steuert das System auf eine 1:1-Situation zu, d.h. ein Erwerbstätiger muss einen Rentner ernähren“, verdeutlichte der Referent. Die heute 30- bis 50-Jährigen würden eine geringere gesetzliche Rente erhalten, müssten daher stärker Eigenvorsorge betreiben, und setzten zudem noch zu wenig Kinder in die Welt. „Sie haben das Problem, werden zum Problem und verursachen das Problem,“ überspitzte Geiberger dennoch treffend die Situation.
Diese Sachlage sei schon lange bekannt, allerdings habe die Politik mit Hinblick auf die Wählerzahlen es versäumt, rechtzeitig und angemessen zu reagieren, monierte er. Angesichts der gestiegenen Lebenserwartung und des späteren Eintritts ins Berufsleben reiche die viel diskutierte Rente mit 67 bei weitem nicht aus, um das Ruder herumzureißen. Mehr Beitragszahler, z.B. durch Zuwanderung junger und hochqualifizierter Arbeitskräfte, könne zwar teilweise helfen, würde aber die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft überfordern. Auch für eine Umstellung auf das ursprüngliche Kapitaldeckungsverfahren sei es viel zu spät. Ebenso sei die Einführung des ‚Nachhaltigkeitsfaktors’, wobei das Rentenniveau schrittweise um 17 % gesenkt wird, nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Im Westen erhielten Männer durchschnittlich eine Rente von monatlich 1000 €, Frauen nur etwa 660 €, im Osten noch weniger. Das sei nicht gerade viel. Wer Armut im Alter vermeiden und seinen Lebensstandard absichern wolle, müsse unbedingt heute schon vorsorgen. Gerade bei privaten Versicherungsverträgen sei es wichtig, so früh wie möglich anzufangen, da die Beiträge umso geringer seien, je früher man einsteige. Bei einer angenommenen Inflation von 2 % und einer Rendite von 5 % rechnete Geiberger, auf die durchschnittliche Lebenserwartung bezogen, vor, dass ein Mann bei einem Rentenbeginn von 65 Jahren für eine monatliche Rente von 1000 € gut 300.000 € aufbringen müsse, eine Frau sogar 374.000 €.
In den letzten Jahren seien vom Staat Zusatzversicherungen stärker gefördert worden. So habe jeder Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge wie beispielsweise die Direktversicherung oder die Pensionskasse. Bei beiden schließt der Arbeitgeber direkt mit dem Versicherungsunternehmen einen Vertrag ab und kommt für die Beiträge auf, der Arbeitnehmer erhält die Versicherungsleistung. Bei einem Arbeitsplatzwechsel kann diese Versicherung mitgenommen werden. Auch sei gerade die viel diskutierte Riesterrente durch die steuerliche Förderung durchaus nicht nur für eine Durchschnittsfamilie mit Kindern und einem Verdienst interessant, sondern genauso auch für den gutverdienenden Single. „Die Riesterrente lohnt sich eigentlich für jeden“, so Geiberger.
Bei den privaten Rentenversicherungen gebe es eine für den Laien unüberschaubare Anzahl von unterschiedlichen Angeboten. Um die passende Altersvorsorge zu finden, müsste die jeweilige Lebenssituation sowie individuelle Vorstellungen miteinbezogen werden. Dies schaffe aber niemand allein ohne die Unterstützung von Fachleuten. Auch solle man sich nicht nur auf Bewertungen der verschiedenen Versicherungsgesellschaften verlassen. Ebenso dürfe der Preis nicht das alleinige Kriterium für den Abschluss einer Rentenversicherung sein, hier spielten viele Faktoren eine Rolle. „Das Billigste ist nicht immer das Beste“, mahnte Geiberger. Sein Fazit: Es führt kein Weg an der privaten Vorsorge vorbei. Wichtig um eine maßgeschneiderte Vorsorge zu finden sei die qualifizierte Beratung durch einen unabhängigen Versicherungsfachmann und eine Überprüfung alle zwei Jahre.